Ausgehen in Hamburg 2008 2009MarilúItalienisch für fortgeschrittene
Italienische Küche mit einem Hauch „ Deutsche-Vita“ verspricht Enzo Basiglini den Gästen des „Marilú“. Das einen Steinwurf vom Spritzenplatz entfernte Restaurant wirk beim eintreten wie eine ruhige Oase inmitten des quirligen Laissez-faire dieses Viertels. Die schlichte Eleganz der Einrichtung paart sich geschmackvoll mit zahlreichen Gemälden, Drucken und Fotografien, die bis unter die imposant hohe Decke reichen. Eine gewundene Treppe neben den Tresen führt hinauf in das Obergeschoss, wobei der Hinweis nicht fehlt, dass dort zum Essen weiterhin geraucht werden darf. Nicht wegen des Rauchens, sondern aufgrund des schönen Wetters nehme ich an einem der von Platanen überschatteten Tische im Außenbereich Platz. Die Speisekarte offenbart eine übersichtliche, aber durchhaus ansprechende Auswahl mediterraner Gaumenfreuden zwischen Pizza, Pasta, Fleisch und Fisch. Als Einstieg entscheide ich mich für Carpaccio vom Rind mit Rucola und Parmesan (9 Euro), gefolgt von einem weiteren Klassiker der italienischen Küche: „ Saltimbocca alla romana“, also Kalbsschnitzel mit Salbei und Schinken (15,50 Euro). Dazu wird auf Vorschlag des Chefs ein 2004er Syrah vom sizilianischen Weingut Alcesti (0,25l/7,50 Euro) gereicht, einer von insgesamt fünf offenen Rotweinen. Liebhaber italienischer Weinen werden im übrigen bei der sorgsam zusammengestellten Weinkarte durchhaus auf Ihre Kosten kommen, ein kleiner aber feiner Querschnitt klangvoller Nahmen zwischen Toscana und Sizilien. Schon die Vorspeise gibt zu erkennen, dass das Marilú an gehobenen gastronomischen Standards orientiert. Das Rindercarpaccio ist in Verbindung mit dem frischen Weißbrot die perfekte Geschmacksbrücke zu dem herrlich zarten Kalbsschnitzel, das nebenbei auf einem ansprechend dekorierten Teller serviert wird, wenngleich zwei oder drei Kartoffelchen mehr der Optik auch keinen Abbruch getan hätten. Der Syrah erweist sich als vollmundiger Tropfen mit überraschend kräftigen Körper und geschmeidiger Frucht, so dass gleich noch eine Karaffe geordert wird. mit einem „ Zabaione- Ricottaeisparfait“ (man könnte es auch mit leckeres Sahnehalbgefrorenes bezeichnen, 4,50 Euro), abgerundet von einem doppelten Espresso, klingt der lauschige Sommerabend aus. Neben dem eleganten Gastraum bietet das Marilú ferner Räumlichkeiten für bis zu 110 Personen für Feierlichkeiten, Seminare und Veranstaltungen. dh Ausgehen in Hamburg 2009 2010Marilú Thunfisch und PapayaAn diesen frühlingssommerlichen Nachmittag sitzen wir fast als einzige Gäste entspannt in dem luftigen hohen Raum und lassen das gediegene Ambiente auf uns wirken: dunkle Holztische, edle Spirituosen auf einem Weinfass ausgestellt, auf der Treppe nach oben begegnet einem ein Stapel Bücher, um sich die Zeit zu vertreiben ( unter anderem das letze Werk des Autors und Thalia-Theater-Dramaturgs John von Düffel). Auf den Tresen steht ein, allerdings unechter, Blumenstrauß von gigantischen Ausmaßen. Die Karte behauptet, das Marilú biete " Deutsche Vita". Wir stolpern über den Wortwitz. Gemeint sei damit die Auswahl des Chefkochs Helmut Jessen, der neben der traditionellen italienische Küche, die das Gros des Angebots ausmacht, auch mal Grünkohl, Hamburger Pfannfisch oder interessante Crossover-Kreationen auf den Tisch bringt, erfahren wir auf Nachfrage bei Gastronom Enzo Basiglini. Ich entscheide mich ohne langes Zögern für das Menü: Tunfischtartar mit Papaya-Vinaigrette, geschmorte Lammkeule auf Gemüsecaponata mit Oliven-Kartoffelstampf und Schokoladen-Panna-Cotta an Mangokompott (27,50 €). Meine Begleiterin wählt warmen Ziegenkäse in Schinkenmantel (9,50 €) und Scottata vom Tunfisch auf Mangold mit Zitronen-Kapernbutter (18,50 €). Dazu lässt sie sich vomKellner einen offenen Cortese aus demPiemont ( 6,50 €) empfehlen. Kurz darauf erscheinen auch schon die großzügig bemessenen Vorspeisen. Sehr schön anzusehen und nicht minder schmackhaft. Besonders toll sind kleine Schmankerl wie zum Beispiel Tomatenmarmelade beim Ziegenkäse, auch die Papaya-Vinaigrette ist spannend. Das tunfischtartar ist nur zart gewürzt, erhält aber durch Kapern eine angenehm salzige Note. Der Ziegenkäse ist ein Genuss! Auch der Wein gefällt, angenehm leicht und duftig ist er. Meine Begleiterin findet Ihn zwar etwas schwach zu dem intensiven Käse, aber wir ordnen noch nach. Nach dem schönen Aftakt sind wir sehr gespannt auf die Hauptgänge und werden nicht enttäuscht. Der saftige Tunfisch und daszarte Lamm mit seine sehr aromatischen Rotweinsauce sind großartig, den Kartoffelstampf mit Oliven finder wir ziemlich eigenwillig, aber gut. Mein Dessert ist ebenfalls eine gelungene Kreation. Wir haben es also hier mit einem Koch zu tun, der seinen eigenen Kopf hat und seine Ideen sehr gekönnt auf dem Teller umsetzt. Das es ihm wichtig ist, was die Gäste davon halten, beweist er uns, in dem er sich höchstperönlich bei uns erkundigt, ob wir zufrieden sind. Ja, wir sind zufrieden. Sehr sogar! md | ||